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BRD / DDR - Vergangenheit





Fünfter Offener Brief, 25.7.2012:
STREICHUNG DER DOPINGREKORDE VON ANDREAS / VORMALS: HEIDI KRIEGER

Die Unterzeichner (in alphabetischer Reihenfolge):

 

Herbert Fischer Solms - Brigitte Franke-Berendonk - Sascha Dörfler - Marie Katrin Kanitz - Hansjörg Kofink - Andreas Krieger - Ute Krieger-Krause - Michael Lehner - Claudia Lepping - Ilse und Henner Misersky - Bernd und Brigitte Michel - Fritz Sörgel - Annika Steinmann - Jean-Pierre Stephan - Gerhard Treutlein - Ines Vogelsang - Klaus Zöllig

 





 

Der Wortlaut:

 



Es reicht. Seit Jahrzehnten beißen konsequente Doping-Gegner bei Sportorganisationen und nationalen Regierungen auf Granit. Weil es dort um den nationalen Erfolg im internationalen Kräftemessen geht, gilt unausweichlich: Das System duldet Doping, aber keinen Dopingfall. Wir wiederum dulden das nicht mehr. Dem Eindruck, dass sich die Sportverbände aus Ost- und Westdeutschland zusammengefunden haben, auch um das Dopingsystem zu perfektionieren, wollen wir Dopinggegner mit vereinten Kräften entgegen treten. Wir fordern von Politik und Sport ein konsequentes und glaubwürdiges Eintreten für einen sauberen Sport.

Die Unterzeichner



FÜNFTER OFFENER BRIEF

25. Juli 2012

 

- an den Leichtathletik Weltverband IAAF

- an den Deutschen Leichtathletik Verband DLV

- an DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach

- an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich

- an Bundesjugendministerin Dr. Kristina Schröder

- an Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk

- an die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans

- an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen und die Mitglieder des Bundestagssportausschusses

 






STREICHUNG DER DOPINGREKORDE VON ANDREAS / VORMALS: HEIDI KRIEGER

 

Wir unterstützen die Forderung von Andreas Krieger gegenüber der IAAF, seine als Heidi Krieger unter dem Einfluss des Zwangsdopings in der DDR erzielten Leistungen im Kugelstoßen und Diskuswurf zu streichen. Wie kein Zweiter seiner Athleten-Generation verkörpert Andreas Krieger die Folgen von Hormonmanipulation im Sport.

 

Wir sind tief betroffen von der menschenverachtenden bürokratischen Form, mit der IAAF-Funktionäre ihm aufbürden, eine Begründung zur Streichung seiner Rekorde zu liefern. Wir belegen das mit diesem Zitat aus dem umfangreichen Briefwechsel:

“In order for us to be able to study the position further, we would be grateful if you could ask Mr. Krieger to confirm the following two aspects for us (assuming he can recall such details):

1. The date (s) on which he used prohibited substances during his Athletics career; and

2. The name(s) of the prohibited substance(s) that he used by reference to such dates.” (aus einer Email der IAAF vom 31. Januar 2012 an den DLV)

 

Wir halten es für unerträglich, dass Andreas Krieger heute nach mehr als einem Vierteljahrhundert nachweisen soll, dass sich verbotene Substanzen im Körper von Heidi Krieger befanden, obgleich die Systematik des DDR-Staatsdopings hinreichend dokumentiert ist. Dieser Umgang mit einem staatlich anerkannten Dopingopfer verletzt die Menschenwürde des heute aktiven Antidopingkämpfers.

 

Wir gedenken der vielen jungen toten Athleten – insbesondere derer, die in Vorbereitung auf die laufende Olympische Saison in Ausübung ihres Sports, als Folge der Trainingsmethodik, nach Medikamenten-Einnahme oder durch Doping zu beklagen sind. In den meisten Fällen wurde Herzversagen als Todesursache diagnostiziert.

 

Wir sind irritiert und befremdet dass DOSB-Präsident Thomas Bach kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in London feststellt, die Deutschen seien >für den härtesten Konkurrenzkampf der olympischen Geschichte< wohl vorbereitet.

 

Wir stellen fest, dass die vorolympische Dopingbekämpfung in Deutschland nach Erfurt mit den widersprüchlichen Kommentaren der Juristen Dr. Bach (DOSB) und Prokop (DLV) auf ihrem Tiefpunkt angelangt ist: Während in Frankreich Blutbestrahlung zum Ausschluss von der Tour de France führt, verhindert sie in Deutschland die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London nicht.

 

Wir wünschen der bayerischen Justizministerin vor allem politische Unterstützung für ihren neuerlichen Vorstoß für ein Antidoping-Gesetz. Der autonome Sport in Deutschland schafft das nicht, solange ihn der Staat bona fide alimentiert.

 

Wir fordern betreuende Mediziner, Wissenschaftler, Trainer und Angehörige auf, ihr Wissen über mögliche Ursachen und tatsächliche Hintergründe von Medikamenteneinnahmen oder Doping dieser Sportler preiszugeben. Sie stehen nicht nur in der Verantwortung, den Toten die letzte Ehre der Wahrheit zu erweisen, sondern auch in der Verantwortung junger Talente, die sich in Zukunft aus eigenem Antrieb und in Kenntnis aller Risiken für den Leistungssport entscheiden.

 

Wir verurteilen jede Ausprägung eines unmenschlichen Hochleistungssports, in dem junge Leute bis heute genötigt oder aufgefordert werden, durch leistungssteigernde Mittel ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen und hoffen auf jeden einzelnen, dass er entschlossen genug sein möge, „Nein“ zu Doping zu sagen.

 

Wir erwarten von Politik, Sport und Medien eine verantwortlich geführte gesellschaftliche Diskussion über die Ursachen der exorbitant hohen Todesrate im und nach dem Spitzensport – und die Antwort auf die Frage, um welchen Preis Athleten Erfolge ‚für Deutschland’ erbringen sollen.

 

Wir dringen zum wiederholten Male auf die Überprüfung der Einhaltung von Ehrenerklärungen deutscher Verbands-Trainer und deren regelmäßige Veröffentlichung vor internationalen Meisterschaften und vor Olympischen Spielen.

 

Wir regen erneut an, dass der DLV 25 Jahre nach dem Drogentod der Siebenkämpferin Birgit Dressel eine Birgit-Dressel-Stiftung ins Leben ruft, die wirksame Dopingprävention unterstützt. Wir verweisen auf unseren Zweiten Offenen Brief an den DLV und warten nach wie vor auf Antwort.



Die Unterzeichner



Andreas Krieger 
als Heidi Krieger Kugelstoß-Europameisterin, Dopingopfer, Geschlechtsumwandlung 1997 
Annika Steinmann 
Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Pädagogik und Philosophie 
Bernd und Brigitte Michel 
ehemalige Werfer TSC Berlin / DDR 
Brigitte Franke-Berendonk 
ehemalige Weltklasse-Diskuswerferin, Dopingaufklärerin, Oberstudienrätin 
Claudia Lepping  
ehemalige Juniorenrekordlerin Sprint 
Fritz Sörgel  
Professor Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung 
Gerhard Treutlein 
Professor der Sportpädagogik 
Hansjörg Kofink 
ehemaliger Kugelstoß-Bundestrainer/Frauen, Präsident Deutscher Sportlehrerverband, 
Henner und Ilse Misersky 
Ski-Langlauf-Trainer, Dopinggegner in der DDR, Hall of Fame 2012 
Herbert Fischer-Solms 
ehemaliger Deutschlandfunk-Journalist 
Ines Vogelsang 
ehemalige Läuferin SC Dynamo Berlin 
Jean-Pierre Stephan 
Buchautor und TV-Journalist 
Klaus Zöllig 
1. Vorsitzender Dopingopfer-Hilfeverein 
Marie Katrin Kanitz 
ehemalige DDR-Eiskunstläuferin, Doping-Opfer 
Michael Lehner 
Rechtsanwalt, Sportrecht Heidelberg 
Sascha Dörfler 
Heilpraktiker Hamburg 
Ute Krieger-Krause 
Schwimmerin DDR-Nationalmannschaft, Dopingopfer 

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