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ogkempf bei den Belgiern in Zolder

Text: ogkempf

oder die längste Praschichte der Welt

 

 

Präambel

 

Wer über den Kauf eines guten Buches in nächster Zeit nachgedacht hatte, dem kann ich nur raten diesen Bericht zu ignorieren und das Buch zu kaufen. Wenn das Buch aber nicht unbedingt gut sein muß, braucht es nicht gekauft zu werden, denn dieses Werk ist völlig gratis und dazu noch kostenlos!

 

Vitamin B - es lebe die Familie

 

Manche Menschen fliegen mit dem Flugzeug von Berlin nach Brüssel, um die Rad WM zu sehen. Andere wohnen in Holland, müssen sich aber auch in der Nähe des Kurses ein Hotel nehmen. Ganz andere kommen gar nur am Sonntag, da sie weder jeden Tag weit fahren wollen, noch ein Hotelzimmer bezahlen wollen.

 

Die klügsten Menschen aber ( also ich ) haben einfach Beziehungen. Für alle Anfänger erkläre ich das System mal anhand eines Fallbeispieles, was der Realität sehr Nahe steht - sie sogar wiederspiegelt um es ganz genau zu sagen:

 

Man lache sich eine holländische Freundin mit Verwandten in Maastricht oder anderen zoldernahen Orten an. Man stelle sich bei verschiedenen Gelegenheiten mit ihnen gut und werde später quasi genötigt, einige Nächste während der Welttitelkämpfe dort zu verbringen.

 

Um die teure Maastricht Anreise zu umgehen, sucht man sich in Göttingen einen Bekannten, der auch Maastricht sein Heim nennt. Man frage ihn ob er nicht so billig wie nie für ein Wochenende nach Hause fahren mag. Dann nehme man auch noch seine neue spanische Freundin mit, die sowieso immer schon mal nach Holland wollte, und fährt inklusive eigener Freundin mit vier Personen die 400 Kilometer von Göttingen nach Maastricht. In Maastricht angekommen ist man dann klug genug in Belgien wieder aufzudieseln und nach Vierteilung des Tankbetrages stellt man fest, dass man die Reise für 4,50 Euro pro Person absolviert hat. Man sei nun sehr stolz auf sich und genieße den weiteren Aufenthalt.

 

Aufgrund eines Termins am Donnerstag konnte ich leider erst Donnerstag Mittag die Reise in Angriff nehmen. Der Nachteil von so vielen Frauen im Auto war natürlich auch sofort spürbar. Zwei Sunden Verspätung bei der Abreise aufgrund von irgendwelchen pseudowichtigen Verpflichtungen. Naja, aber dafür war es billig...

 

Anscheinend wollten am Donnerstag viele viele Menschen nach Belgien und so waren die Autobahnen knüppeldickevoll und meine Hoffnungen noch rechtzeitig zum Peschelsieg am Albertkanaal anzukommen konnte ich bald begraben.

 

Da ich im beim Zeitfahren der Frauen im Fernsehen Nicole Brändli gesehen habe, beschloss ich instinktiv meine Freundin lieber nach Hause zu schicken. Schließlich sollte sie mich nicht stören, wenn ich mit Rinos Lieblingsradlerin flirtete!!!

 

Wo kommen die besten Frauen Hollands her?

 

Es ist auf jeden Fall nicht das Dorf aus dem Linda de Mol, Mareike Armado oder Vera van Int´veen stammen...

 

Am Freitag Morgen stand das Rennen der Juniorrinnen auf dem Kalender. Hierzu hievte ich meinen Kadaver um 6:50 aus dem Bett, um vor der Familie in den "Duschablaufplan" schlüpfen zu können. Sachen gibt es in Holland...

 

Die 60km nach Zolder sind für ein personifiziertes Navigationssystem wie mich natürlich, trotz schlechter Ausschilderung in Zolder, kein Problem gewesen.

 

Die 35 Euro für die Eintrittskarte habe ich auch recht gut verkraftet - dafür war die Fahrt ja billig, ganz zu schweigen von der Unterkunft...

 

Im Zielbereich hatten Karsten Migels und Ulli Jansch schon ganze Arbeit geleistet! Sie hatten wohl von meiner Ankunft Wind bekommen und sich im V.I.P Bereich verschanzt. Dieser Bereich war umgeben von einer unglaublichen Menge, offenbar sinnlos und willkürlich angeordneter Zäune. Als ob Autorennstrecken nicht schon genug Betonwände haben würden - Belgier scheinen offensichtlich Zaunfetischisten zu sein. Immerhin hatte ich viel Spaß damit den sich warmfahrenden Juniorinnen in den offenen Mund zu gucken, als sie verzweifelt den Innenbereich suchend um die Einfahrt umherkreisten. Eigentlich hätten sie den Organisatoren dankbar sein müssen, auf dem Rummel kostet der Irrgarten mindesten 2,50 Euro!

 

Durch zwei Zäune hindurch konnte ich aber trotzdem AndreaF erkennen, die gerade mit den orangen Mädels flirtete. Ich winkte und brüllte - und die Mädels winkten zurück. Als auch Andrea gerade zu flirten beginnen wollte bemerkte sie, dass es nur meine Unwichtigkeit war. Sie überwand die Metallhindernisse geschickt und wir unterhielten uns kurz. Danach zeigte sie mir den Weg, an vier Zaunreihen vorbei, der mich zu Cyclist führen sollte. Da Andrea einen dieser sagenumwogenen V.I.P Pässe besaß, wollte sie ihn auch nutzen und so ließ sie Cyclist und mich allein. Da Cipollini nicht bei den Juniorinnen starten darf, war sie bereit den Zielbereich zu verlassen und wir erkundeten die Strecke.

 

An einer uns genehmen Stelle, Werner würde es vermutlich Berg nennen, entschlossen wir das Rennen der Juniorinnen zu verfolgen. Diese Stelle hatte außer der latenten Steigung noch den Vorteil, dass sich ein Durchgang zum Autodrome befand, so dass man die Fahrer von unsere Position ohne Bewegung noch ein weiteres Mal, direkt nach der Zieldurchfahrt und drei Kilometer nach dem Berg, sehen konnte. Außerdem befand sich dort auch eine Leinwand, die man ohne viel Bewegung einsehen konnte. Eigentlich hätten wir uns ruhig etwas mehr bewegen können, denn Ulli Jansch hat auf Sendung vermutlich wieder gejammert wie sehr seine Füße frieren...

 

Das Rennen der Juniorinnen verlief recht langweilig. Keine echten Attacken. Cyclist und ich wetteten auf die Siegerin. Da Cyclist aber gar keine Ahnung hatte tippte ich allein. Da Suzanne de Goede aus dem Heimatort meiner Freundin kommt, sie zu meiner Überraschung nicht im Zeitfahren antrat, was mich darauf schließen lies, dass sie sich schonen s/wollte und weil sie heuer nicht nur auf der Bahn bewiesen hat wie stark sie ist, tippte ich auf sie.

 

Als die Juniorinnen das letzte Mal unsere Stellung, die "Sterrenwacht", passierten machten die meisten der wenigen Zuschauer die paar Meter zur Videoleinwand um wenig später das Finish zu verfolgen. Plötzlich standen wir inmitten einiger Oranje Fans, die je mehr sich das Feld, angeführt von Holländerinnen, der Ziellinie näherte, immer lauter wurden. Als der Sprint begann war es plötzlich still. Aus dem Hintergrund kommt eine Holländerin, ich vermute es ist Suzanne, die nicht mit ihren Teamkameradinnen geführt hat, die Menschen werden lauter, plötzlich setzt sie sich wieder hin, die Menge ist entsetzt. Offensichtlich schaltet sie aber nur, steht wieder auf und übersprintet alle Konkurrentinnen. Die Menge ist begeistert du wir hören die ersten "Suzanne, Suzanne" Gesänge.

 

In der Zeitlupe sehen wir dann, dass de zweitplatzierte sogar eine Deutsche, nämlich Claudia Stumpf, ist. Mir stellen sich sofort zwei Fragen:

 

1.Ist sie mit Remig Stumpf verwandt?

2.Ich habe Anna Zugno als Zeitfahrweltmeisterin getippt/geraten ( @Karteikarte :baeh: ), gab es schon mal einen Menschen auf der Erde, der alle Juniorenweltmeisterinnen auf der Straße in einem Jahr richtig getippt hat?

 

Zur Siegerehrung gingen wir zur Tribüne und genossen die Riesenstimmung, die der beachtlich große "de Goede Fanclub", der extra aus Zoeterwoude für das Juniorinnenrennen angereist war und direkt danach wieder westwärts fuhr, verbreitete. Die Riesenstimmung auf den Rängen war de goeden Suzanne sichtlich peinlich! Neben ihr stand neben Claudia Stumpf aus Deutschland noch Monica Holer aus Schweden, die g*****  ( @Frauenbeauftragte: ich bitte kurz die Augen geschlossen gehabt zu haben...  ) --- (Anmerkung der Redaktion: der Frauenbeauftragte hat weggeguckt.. die Redaktion nicht und befindet, dass Oggi C4F nicht vollsabbern muss... )

 

Sternenvoll zur Sterrenwacht?

 

Das U23 Rennen hatte schon bevor es losging in Bezug auf Zuschauer und besonders Fanclubs mehr zu bieten:

 

Der Jure Zrimsek Fanclub war zahlenmäßig am stärksten Vertreten. Waschechte Slowenen, stellenweise als Frösche verkleidet, machten mit Trommeln, Tröten und Rasseln einen Heidenlärm. Da ich ja in Fachkreisen auch als Zrimsek Fan gelte hätte ich mich ihnen eigentlich anschließen müssen, aber mein slowenisch ist momentan leider unterirdisch.

 

An Kreativität wurde der Zrimsek Club nur vom Ein Mann Jaja Fanclub übertroffen. Gegen Trommeln und "Jure, Jure" Sprechchöre kämpften er und seine auf den Rücken geschnallte, selbstgemalte Jaja Pappfigur mit "Jaja" Rufen und unbarmherzigen tröten an. Eine wahre Freude diese Schlacht der Fans zu erleben... schade nur, dass Jaja gar nicht mitgefahren ist...

 

Der belgische Philippe Gilbert Fanclub schämte sich offensichtlich. Deswegen hielten sie sich versteckt, hatte diese fehlende persönliche Präsenz aber adäquat durch wunderschön selbstgemalte bzw. selbstgesprayte Plakate wieder ausgeglichen. Da ich auch ein großer Gilbert Fan bin und mein französisch immerhin zum Baguette bestellen reicht hätten die sich ruhig blicken lassen können, denen hätte ich mich tatsächlich angeschlossen.

 

Im Zielbereich war noch der "Vola, Ivan, Vola" Fanclub vom Italiener mit dem lustigen Namen Ivan Ravaiola. Ihre Zahl ist schlecht abzuschätzen, aber die Anzahl ihrer Plakate ließ mich auf eine große Anzahl von Fans schließen.

 

Der Robbie McEwen Fanclub, bestehend aus einem jungen Belgier im Trikot des australischen Meisters, der mit seinem Megafon seinen Kumpel beim Pinkeln anfeuert bis Letzterer Applaus erntet war auch stets für einen Gag gut. Das Megafon wird aber meist von den Zrimsek Jüngern missbraucht, damit Jure die "Jure Jure" Schreie auch am anderen Ende der Strecke hören kann.

 

Der Didi Senft Fanclub, bestehend aus Didi Senft, war auch zugegen und bereitete sich, den Zuschauern und sämtlichen vor Ort befindlichen Kameras auch viel Freude.

 

Die Iren, in ihrem Aufgebot angeführt von Mark Scanlon, hatten im Zielbereich immerhin vier irische Fans, die von sehr irisch bis zu sehr bescheuert aussehend wirklich alles beinhalteten. Sehr nett waren sie trotzdem - und lustig und hilfsbereit auch. Und offensichtlich hatten sie nachts viel Zeit, denn auf den Straßen fanden sich verdächtig viele irische Namen wieder.

 

Dami di doatschn Buam net so alloan dastahn wüardn, ham de Cyclist un I auch mal auf die Schnelle Fanclubs gegründet. Da wir leider nur zu Zweit waren, waren mehr als zwei Fanclubs für uns nicht möglich. Da ich von den Deutschen Baumann und Kauffmann die größten Chancen zurechnete, war Cyclist ab nun der Baumann Fanclub, während ich der Vorstandsvorsitzende des Kaufmann Fanclubs war.

 

Auch das Rennen bot mehr Abwechslung. Jonas Olsson wollte wohl den migelschen Ansprüchen endlich gerecht werden und attackierte from the gun, wie der gelehrte cyclingnews Leser sagen würde. Mit dieser Attacke begann ein attackenreiches Rennen. Die Deutschen Fahrer waren bei allen nennenswerten Attacken dabei. Ich hätte bei meinem DailyPeloton Bericht nicht über die Ähnlichkeit von Knees und Sieberg berichten sollen, denn als Knees sich in der ersten Gruppe präsentierte, wurde er von mir euphorisch mit "Jaaaa, gib's ihm Marcel" angefeuert... na ja, in der nächsten Runde musste mir Cyclist helfen den Fehler wieder aus zu bügeln. Zusammen riefen wir so laut "Chriiiistiaaaaaan", dass ich noch am Abend davon heiser war. Und fast wären wir gegen "Jure, Jure" "Jaja, Jaja" *TROMMELTROMMEL* *rasselrassel* *trööööööööööööt* *huuuuuuuuuuup* akustisch durchgekommen...

 

Ich wette Christian Knees war uns trotzdem dankbar für die Berichtigung...irgendwie...

 

Überhaupt war jede Runde spannend! Als die Fahrer die Sterrenwacht passierten, ging einer von uns zur Leinwand um die Lage zu checken. Der andere musste den Platz sichern, denn inzwischen war es sauvoll. Zum Glück verfolgen fast alle Zuschauer die Wander-Taktik zwischen Berg und Leinwand. Als das Gros der Zuschauer wieder zum Berg ging, musste auch der jeweils leinwandbetrachtende Teil von Cyclist und mir den Platz wieder einnehmen. Dann wurde es spannend:

 

Die Helikopter kommen näher. Am Horizont kann man ihre Flugrichtung und Geschwindigkeit sehen, abschätzen wie lange es noch dauert. Noch kleine Wetten abschließen: "Gruppe oder Feld?" "Feld!" "Denk ich auch" Die Helikopter sind ganz nah, machen einen Riesenkrach. Der erste Wagen kommt aus der Kurve die Steigung hoch. Der grüne aus dem Zrimsek Fanclub setzt den Froschkopf auf, ein anderer beginnt langsam zu trommeln. Noch mehr Fahrzeuge, der Helikopter ist fast über uns. Das trommeln wird stärker. Um uns herum Sprachgewirr, schwedisch, flämisch, deutsch, slowenisch, englisch. "Jure Jure" singt sich der Zrimsek Club warm, die Fotoreporter laufen hektisch auf die besten Plätze. Schon circa zehn Vehikel sind an uns vorbei, da biegen die ersten Radler um die Ecke. Ein grünes und ein weißes Trikot. Anfeuerungen von allen Seiten schon jetzt. Das grüne ist das Trikot eines Slowenen, dann erkennt man rotes Haar - es ist Zrimsek! Jetzt brennt der Baum. Selbst den Pappjaja mit seinem Fan auf der Rückseite hört man nicht mehr. Planloses aber lautes Getrommel, Getröte, Gehupe, Jubel und "Jure" Schreie noch als das Feld 20 Sekunden später vorbeifährt. Stimmung pur, ich wünsche mir noch einige Runden mit Zrimsek in der Führungsgruppe, aber daraus wird leider nichts, übernächste Runde ist der Spuk vorbei.

 

Am Ende des Rennens ist es aber doch das geschlossene Feld, das den Sieg unter sich ausmacht. Auf der Zielgerade gibt es noch einen ziemlich üblen Sturz, der den Deutschen um Baumann Chancen auf eine gute Platzierung verbaut und bei dem es einen Italiener ziemlich böse erwischt, weil er mit dem Kinn auf dem Asphalt gebremst hat. Der Italiener wird auch noch auf dem Asphalt behandelt als die Siegerehrung läuft. Meines Erachtens hätte man bei einer offensichtlich schweren Verletzung auch einige Minuten mit der Siegerehrung warten können, denn die Ehrung hatte mit dem Krankenwagen im Hintergrund doch einen sehr delikaten Beigeschmack. Immerhin konnte der Italiener noch seine Nationalhymne hören, denn sein Landsmann Francesco Chicchi gewann den Sprint vor Hans Dekkers und Francisco Gutierrez. Dekkers wurde später distanziert, weil er wohl mitverantwortlich für den Sturz war. David Loosli rückte auf den Bronzerang vor.

 

Um das Vakuum in meinem Magen zu leeren ( oder wie war das noch mal mit der Physik... ) nahm ich Cyclist noch mit in eine Pizzeria in der Nähe "ihres" Hotels. Belgier sind lustig. Mein Eisteeglas war nur halbgefüllt. Ich stellte die These auf, dass ihnen das aromatische Kaltgetränk mit drei Buchstaben vielleicht ausgegangen ist. Aber diese These stellte ich zumindest selbst in Frage, als mit meine halbe Pizza an den Tisch gebracht wurde. Sie war zwar kreisrund, aber Chefkoch hatte offensichtlich vergessen die andere Hälfte des Teiges und des Belags zu verwerten! Mit dem halben Preis wollten sich die Pizzabäcker aber trotzdem nicht zufrieden geben...

 

Nachdem ich mich durch meine Pizza und Cyclists Nudeln gewühlt hatte, machte ich mich auf den Heimweg und schlief auch Fabio Baldato sanft wie ein Baby - mir hat die viele Luft offensichtlich nicht gut getan. Oder mir haben einfach die guten Computerstrahlen gefehlt?! Auf jeden Fall war ich platt mit drei "t"!

 

Es lebe der Club, es stürze das Clubidol

 

Das Juniorenrennen war den Belgiern offensichtlich etwas zu früh. Denn die Strecke war doch im Vergleich zum U23 Rennen relativ schlecht besucht. Ich hingegen war viel zu früh da. Ich ließ mich vom Wecker um 7:00 Uhr wecken, quälte mich viel später aus dem Bett, ging zur Abwechslung mal duschen, kam zurück - 7:30 Uhr. Schnell frühstücken und dann aber los. Nach 10 Kilometern in Maastricht öffne ich zum ersten Mal vollständig meine Augen, schaue auf das Display der im Auto befindlichen Uhr: 6:58 Uhr!!! Der Mistwecker war eine Stunde zu früh - und ich Pottsau habe es nicht bemerkt. Dabei hatte ich mich schon am Vorabend gewundert warum ich um 21:55 unten losging und erst um 23:02 zwei Stockwerke höher ankam...es hätte mir also auffallen können.

 

Meine verfrühte Ankunft in Zolder hatte aber den Vorteil, dass zu meiner Überraschung der Kurs noch nicht abgesperrt war. Da ich so früh am Morgen meistens am dreistesten bin habe ich mich in Schussfahrt über die Autobahnbrücke begeben, um mit dem Wagen im vollends abgesperrten Gebiet zu fahren. Ich dachte ich würde vermutlich jeden Moment zum umkehren gezwungen werden, aber ich suchte mir einen Parkplatz, was dort auch keinen zu stören schien. Erst als ich zwei Autos weiter zwei deutsche im Kofferraum ihres Wagens schlafen sah wusste ich, dass es wohl nicht so verboten sein konnte. Jetzt hatte ich zwar einen tollen Parkplatz, ärgerte mich aber über die am Vortag gekaufte Wochenendskarte, denn die war zumindest heute sehr nutzlos.

 

In einem kleinen Briefing mit AndreaF habe ich ihr noch kurz berichtet, dass Sambroglio mein Favorit für den Sieg sei und Tom Veelers der beste Holländer sein würde. Im Gegensatz zur schon morgens schon quicklebendigen Anita war Cyclist anscheinend morgenmuffelig und spielte krank. Sie kam erst im Laufe des Juniorenrennens in die Arena.

 

Die Fanclubs waren, mit Ausnahme des McEwen Fanclubs, leider nicht mehr zugegen. Zumindest nicht am "Berg". So entschloss ich kurz einen Heiny Haeussler Fanclub zu gründen, damit die Schmach vom U23 Rennen wieder ausgemerzt werden konnte. Dort waren ja beide Fanclubschützlinge von Cyclist und mir beim Sprint gestürzt. Cyclist konnte sich mit keinem der deutschen Junioren so richtig anfreunden und verweigerte eine spontane Fanclubgründung.

 

Das Rennen war ein sehr interessantes. Viele Attacken, aus denen die Deutschen sich mit einer beharrlichen Konstanz heraushielten. So verpassten sie auch die entscheidende Attacke und am Ende gewann Arnaud Gerard vor Jukka Vastaranta und dem Australier Henderson. Als wir zur Siegerehrung gingen stellte wir fest, dass wie schon beim Juniorinnenrennen der Athlet mit dem größten Fanclub gewonnen hat. Auf der Tribüne sangen dutzende Gerard Fans bereits die Marseillaise und andere patriotische Lieder. Französische und die Flagge der Bretagne wehten in der Luft. Tom Veelers wurde als bester Holländer vierter und Maurizio Sambroglio gewann den Spurt des Hauptfeldes. Das wichtigste war aber der Sturz von Heiny Haeussler im Zielsprint. Dieser Sturz war der ausschlaggebende Grund, der mich bewog keine spontanen Fanclubs mehr zu gründen. Eine Ausfallquote durch Sturz von 100% unserer Schützlinge stimmte mich doch oberflächlich nachdenklich.

 

Ohne Club - mit Sturz

 

Zum Frauenrennen füllten sich die Ränge erheblich. Für ein Frauenrennen unglaubliche Menschenmassen drängten sich am "Hang" der Sterrenwacht. Die spätere Siegerin Susanne Ljungskog sprach nach ihrem Sieg von einer Anfangsphase mit vielen Attacken, aber sie hat vermutlich das Junioren Rennen gemeint. Von Attacken haben wir nämlich nichts gesehen. In den ersten beiden Runden fuhren die Damen jeweils mit Longo und Zijlard - van Moorsel an der Spitze im gemächlichsten Tempo den Hügel hinauf. Von Aktivität und Attraktivität keine Spur.

 

So kam meine frisch gekaufte Deutschland Flagge kaum zum Einsatz. Dafür lief mir beim Kauf der Fahne, als ich gerade Cyclists und meine Pommes in meinen Schlund stopfte, Monica Holer über den Weg. Wir tauschten blitzschnell die Handynummern aus und verabredeten uns für heute Nacht. Aber ich glaube ich gehe da nicht hin. Ich bin nicht der Typ für eine Nacht, das ist mir viel zu lange!

 

Glaubt mir die Geschichte ab dem Tausch der Telefonnummern eigentlich jemand?

 

Meine Favoritin für den Sieg war Petra Rossner, die ich im Spurt für etwas schneller als Mirjam Melcher und Susanne Ljungskog hielt. Da ich immer noch Angst vor meiner Fanclubschützling-Ausfallquote hatte, gründete ich dieses eine Mal aber lieber keinen Fanclub. Helfen wollte aber auch das nichts, der Radsportgott hatte meinen finsteren Plan durchschaut und ließ Petra Rossner in der zweiten Runde einmal mit dem Gesicht den Asphalt wischen. Rennen vorbei - deutsche Hoffnungen vorbei.

 

Die Zuschauermassen waren zwar recht gewaltig, aber ihre Kompetenz bleibt ernsthaft anzuzweifeln. Egal ob Belgier oder Holländer, jede Runde wurde fast ausschließlich "Leo" angefeuert. Ich frage mich ernsthaft, ob die Zuschauer die anderen Radlerinnen überhaupt bemerkt hatten. Es hatte so ein bisschen Erik Zabel bei den HEW Cyclassics Niveau. Egal was im Rennen passiert, die Zuschauer werden plötzlich so glücklich, wenn sie ihren Star mal sehen.

 

Im Finale setzte sich Nicole Brändli mit zwei Konkurrentinnen ab. Als sie beim Zeitfahren den Helm abnahm wusste ich, ich bin ein Fan von ihr. Da mein Konkurrent Rino nicht vor Ort war gehörte die putzige Schweizerin mir! Wegfahren konnte sie auch nicht, war ja ein Rundkurs - ich war mir also sicher sie würde nicht entkommen.

 

Mit einer ganz starken Leistung schaffte Susanne Ljungskog noch den Sprung zur Spitzengruppe, welche sie keckerweise im Spurt gleich vernaschte, wie ich die Nicole vernaschen wollte. Nicole Brändli wurde zweite. Im Ziel brach Ljungskog dann in Tränen aus. Jens Zemke hätte seine Freude daran gehabt. Das Finale des Rennens entschädigte für den langweiligen Auftakt und den Rest des Tages spare ich hiermit gentlemanlike aus...

 

Da es gerade so schön regnete, brachte ich Cyclist noch zur nächsten sinnvollen Bushalte und trat dann meinen Weg zur Gastfamilie an. Dort wurde ich dann gezwungen am Abend mit der gesamten Familie ein holländisches Kartenspiel zu spielen: "een-en-derdig". Für einen doofen deutschen hielt ich mich ganz gut und wurde trotz Startschwierigkeiten dritter von fünf. Also wenigstens eine deutsche Medaille am Samstag...

 

Mit noch etwas mehr "t"s als am Vorabend verzog ich mich nach meiner Bronzemedaille ins Bett. Sechs Uhr Realzeit wollte ich aufstehen, was mir schon am Abend kalte Schauer über meinen Rücken, der gehüllt in eine ebenso noch kalte Decke war, jagte.

 

Die Gören gehören gehörig versohlt

 

Ich wache auf, es ist dunkel - aber ich fühle mich schon relativ lebendig. Ich drehe ich auf die rechte Seite und versuche mit möglichst wenig Bewegung aus dem Augenwinkel zu erkennen wie spät es ist: 4:30!!! Freude steigt in mir auf - ich darf noch weiterschlafen! Da ich gerade zu glücklich bin mich wieder zurückzudrehen, versuche ich in der aktuellen Position erneut zu entschlummern. Plötzlich öffnet sich die Tür und der Gastvater stürmt hektisch herein und erklärt sichtlich erregt, dass es bereits 7:30 ist und ich zu spät sei.

 

Hektik! Aufstehen, anziehen, das gleiche wie am Vortag, das liegt gerade in der Nähe, die Treppe runterstolpern, Kopf an der Decke stoßen, auf die Dusche verzichten, keine Zeit, wieder hoch, Outfit komplettieren, runter in die Küche, Frühstück in die Hose stecken, zur Tür, für die Schuhe habe ich gerade noch Zeit, Kette rechts und ab dafür! 7:43 Uhr! Etwas mehr als eine Stunde Verspätung! Dieser Morgen stinkt gewaltig, das wusste ich sofort!

 

In Maastricht bemerkte ich, dass ich den superbequemen und ultraleichten Campingstuhl, welchen ich mir am Vorabend gekonnt erschnorrt hatte in der Eile vergessen hatte. Verdammte dreckige Sc*eiße!!

 

Da ich am Freitag doch einen langen Fußmarsch vom Parkplatz zum Kurs hatte, beschloss ich auf der Autobahn kurzfristig durch die Suche nach einem besseren Parkplatz wieder etwas Zeit auf zu holen. Also die von den Schildern suggerierte Ausfahrt ignorieren und weiter geht's es zum Minutengewinn. Nächste Ausfahrt Zolder Lummen...gesperrt. Nagut, ein bisschen Schwund ist überall, dann eben Zolder. Gesperrt! Dann das nächste Hinweisschild für die WM ich sollte bitte die nächste Ausfahrt nehmen...in 13 Kilometern! Da war der Minutengewinn schon fast wieder verschenkt. Interessanterweise wurde ich ab der Ausfahrt dann von verschiedensten Polizisten in verschiedenste Richtungen geschickt. Chaos! Nach geschlagenen 20 Minuten kam ich dann beim Park & Ride Parkplatz in Schachten an, einem Riesengroßen Flugfeld aus Rasen. Fahne umgebunden, schnell zum Bus gerannt, eingestiegen, von den Belgiern verdutzt angeschaut wird:

 

"*tuschel*, kijk, een duitse *knister*" Ich war definitiv der Star im Bus.

 

Nach weiteren knapp dreißig Minuten Busfahrt kamen wir an der Endstation an. Nach 10 Minuten Fußmarsch stellte ich fest, dass ich leider am GANZ anderen Ende der Strecke war. Also weitere 45 Minuten Fußmarsch durch die Fußgängermassen und ich kam endlich an der Sterrenwacht an!

 

Dort fand m/ich Christine, die mir trotz ihrer Uli Jansch Füße einen Platz in der allerersten Reihe freigehalten hat. Bei genauerer Reflektion war der unerklärliche Uhraussetzer also recht positiv. Ich habe eine Stunde länger geschlafen, kam kurz vor dem Start an und war noch wunderbar aufgewärmt!

 

Neben Cyclist waren auch andere radbegeisterte Menschen aus den verschiedensten Ländern vor Ort:

 

Der uns schon bekannte McEwen Fanclub, der komischerweise immer Ludo Dierkxens anfeuerte. Diese handvoll Jungs war für die Fankommunikation zuständig. Wenn es ihnen zu leise wurde, haben sie mit dem Megaphon einfach die Lieblinge der anwesenden Fans angefeuert, bis diese einstiegen. So wurde es nie langweilig.

 

Der ebenfalls bekannte Jalabert Fanclub mit Tröte, Regenschirm mit Wiedererkennungswert und Pappjaja. "C´est qui le meilleur?" Fragte er brüllend und ständig und immerwieder in die Runde: "Jaja!!" kam dann meist zurück.

 

Mein Lieblingsfanclub war definitiv der Fanclub des René Haselbacher. Neben der Mutti von René war auch seine mutmaßliche Schwester vor Ort, ein echtes Schnuckelhasi! Ein Schnuckelhasi im Gerolsteiner Outfit. Als Paco Wrolich in der Gruppe war, hat sie mich definitiv mit ihrem süßesten Lächeln angelächelt, als ich den Ösi lautstark anfeuerte! (Anmerkung der Redaktion: Vielleicht ist sie Pacos Schwester?)

 

Ebenfalls bemerkenswert eine holländische Fankolonie mit dem vielsagenden Plakat: "geen Dekker, geen Lotz, wat een kotz!"

 

Neben uns eine italienische Kolonie Cipollini Fans, die sich im Laufe des Rennens lecker Pasta kochten und jede Runde den Shimano Wagen sowie den italienischen Team wagen lautstark anfeuerten.

 

Eine sehr starke Rarität war der verkappte Erik Zabel Fanclub. Ein deutscher Fotoreporter kam in der vierten oder fünften Runde zu uns, um die Frage aller Fragen zu stellen:

 

"Habt ihr gesehen ob Erich Zabel vorne im Feld war?" Mir war sofort klar, das man daraus eine lustige Situation entwickeln könnte.

"Nö, ist aber auch egal, aber der dritte Mann im Feld war Andi Klier!"

"Eh, wie egal?"

"Na ist doch egal wo er ist!"

"Achso, ist schon gelaufen das Ding meinst du?"

 

Daraufhin erklärten wir ihm Radsport, das Moreau das Rennen noch nicht für sich entschieden hat und dies wohl auch nicht tun würde und Zabel noch viel Zeit hatte.

 

Irgendwann tauchte auch ein bemerkenswert betrunkener Fanclub von Museeuw auf. Mit dem Gesang "wie is de leeuw, wie is de leeuw? Johan Museeuw" und einigen hollandfeindlichen Gesängen machten sie eher einen unglücklichen Eindruck, denn ansonsten war die Stimmung unglaublich!

 

Udo, Ludo, Hasi, Jaja, Mario, jeder wurde angefeuert und jeder konnte seinen Schützling anfeuern ohne schräg angeguckt zu werden. Völkerverständigung mit Spaß und Sport! Eine Erfahrung, die ich wohl so schnell nicht mehr wieder machen werden kann.

 

Das Rennen plätscherte so dahin, was nicht heißen soll, dass es uns so langweilig erschien wie es offenbar im TV war - wir hatten unseren Spaß. Am Ende gewann Mario Cipollini, ein Fahrer den wohl nur die Experten ( also nicht der deutsche Zabel Reporter ) auf der Rechnung hatten. Mit ihm durften McEwen und Zabel auf das Podest. Wir verfolgten den Ausgang auf der Videoleinwand, die Italiener freuten sich einen Riesenkeks und Cyclist hatte vermutlich die eine oder andere Träne des Glücks im Auge. Da ich Frauen ( und Italiener ) nicht weinen sehen kann machte ich mich lieber schnell auf den Heimweg.

 

Den ganzen eingangs beschriebenen Weg zurück zum Bus, mit dem Bus eine noch längere Fahrt, da der Idealweg inzwischen von Auto verstopft wurde und dann mit dem Auto über die Autobahn zurück ins traute Maastricht. Allerdings haben die Belgier anscheinend eine etwas andere Form des Tourismus entwickelt:

 

Um die Touristen den einen oder anderen Tag länger an ihr Land zu bilden, haben die Belgier einfach sämtliche Autobahnschilder abmontiert. Aber da ich so ein gewieft Kerlchen bin, habe ich schon nach 20 Minuten kreise ziehen zur rettenden Autobahn gefunden. In der Zwischenzeit hatten sich sogar schon die schlimmsten Staus aufgelöst...

 

Als ich bei der Gastfamilie ankam, wurde mir sofort die Weckerpanne des morgens erläutert. Die Mutter rief die zehnjährige Tochter heran, die mit gesenktem Haupt und wie ein Soldat stramm stehend irgendetwas stotterte, was ich beim besten Willen nicht verstehen konnte. Die Mutter unterbrach sie und begann zu erklären:

 

Am Vortag hatte sie zwei Freundinnen zu Besuch. Mit denen spielte sie im zum Gästezimmer umfunktionierten Computerzimmer. Da sie wusste, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen musste, hatte sie die ulkige Idee mir einen Streich zu spielen und am Wecker die Zeit um zu stellen. Gesagt, getun getan. Am nächsten Morgen klingelte fälschlicherweise der Wecker der Eltern. Mein Gastpapi nutzte die Gelegenheit eifrig mal aufs Klo zu gehen und stellte fest, die Zimmertür der Tochter steht offen und die Tochter ist nicht im Bett. Dies ist anscheinend in Holland sonntags um sieben Uhr ungewöhnlich und eine Ringfahndung wurde gestartet. Durch Rufen fand man sie oben vor meinem Zimmer. Dort geisterte sie herum und wollte mich, von ihrem schlechten Gewissen geplagt, wecken - aber sie traute sich nicht.

 

Mit einem "het spijt me" durfte sie sich dann fast weinend in ihr Zimmer verdrücken, ihre Freundinnen wurden von Gastmutti am nächsten Morgen zum Rapport gebeten und ich erwarte in den nächsten Tagen einen Entschuldigungsbrief der drei! In Holland herrschen noch Recht und Ordnung!

 

Mit der vierstündigen Heimfahrt endete mein Zolder Abenteuer und im Stile einer alphabetischen Wundbedeckung füge ich noch an, was ich in Zolder gelernt habe:

 

Belgier können keine Hamburger machen, aber für den Bau eines Zauns würde ich sie sofort engagieren
Wetten sind erst entschieden, wenn sie entschieden sind. Meine drei Flaschen Wein, welche ich AndreaF gegeben habe und die sie aufgrund des zweiten Platzes von Sentjens beim darauffolgenden Sluitingprijs gar nicht hätte bekommen dürfen, werde ich wohl nie wieder sehen. Aber ich bin mir sicher AndreaF wird mir wenigstens meine mir zustehenden drei Flaschen Cola beim nächsten Treffen feierlich überreichen. ICH HABE DIE WETTE GEWONNEN!!!
Wenn ich mit Frauen dieses Forums in ein Restaurant gehe, werde ich immer satt!
Mit Udo, Frösi und Hasis Schwester werden die Gerols nächstes Jahr in meiner persönlichen Beliebtheitsskala ganz dicht an Telekom herankommen!
Ich hätte vielleicht doch einen Cipo Fanclub gründen sollen...
Heiny auf der Straße stand dort nicht für Heinrich Haeussler, sondern für Christine Heiny. Aber da kackt der Bulle drauf, der heißt jetzt trotzdem Heiny Haeussler!
Die Einladung für Amstel Gold bzw, Lüttich 2003 habe ich schon in der Tasche! Tot volgend jaar, limburg en wallonie!!! 

 

 


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