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Frankreich Doping Geschichten(n)



Ärzte und Doping



 



Dominique Lecrocq, Profi von 1984 bis 1987: „Der Arzt einer Sportgruppe wird nach seine Resultaten bewertet und so wird er schnell ein Verschreiber magischer Portionen.“ (de Mondenard)



 



Dr. Francois Bellocq

Dr. Daniel Blanc

Dr. Georges Mouton

Dr. Patrick Nédelec

Dr. Eric Ryckaert



Dr. Francois Bellocq

Francois Bellocq, Arzt der Equipe Peugeot und Mitglied der Medizinischen Kommission des französischen Radsportverbandes, wird von letzter Funktion entbunden, da er verantwortlich war für ein Team, das in einen Betrug bei Dopingkontrollen verwickelt war. Von ihm ist bekannt, dass er verschiedenste Dopingmittel verschrieben hat, einer seiner berühmtesten Patienten war wohl Bernard Thévenet, der später zugab, drei Jahre Kortison genommen zu haben mit negativen gesundheitlichen Folgen. Aber auch Alain Prost, Christophe Tiozzo, Greg LeMond, Gilbert Duclos-Lasalle, Jérome Chiotti und Philippe Boyer suchten seinen Rat. Er ist vielleicht der bekannteste französische Vertreter der These des 'hormonellen Gleichgewichts', der These, dass der Körper eines Sportlers durch die schweren körperlichen Belastungen in ein hormonelles Ungleichgewicht gerät, das es gillt wieder medikamentös auszugleichen. 

 

Da er bis 1976 noch keinen Doktortitel besaß, aber bereits als Teamarzt aktiv war, benutzte er bis Dezember 1976 den Namen seines Vaters Franck Bellocq, ebenfalls Arzt, um Rezepte/Verordnungen auszuschreiben.

 

Als Rachel Dard im November 1976 in einem offenen Brief die Teams beschuldigt, Cortison und Anaboloika-Doping zu unterstützen, legt er folgende Verordnung vor. Sie wurde ausgestellt am 31.5.1976 von Francois im Namen von Franck Bellocq (de Mondenard, Dictionnaire, S. 332):

 

Coltramyl    3 flacons 

    1 comprimé matin et soir

    (zur Krampfmilderung verursacht durch Anabolika)

Calcium Sandoz effervescent                1 tube 

    (zur Minderung von Corticoidschäden) 

Célestène Chromodose                         4 goites

    1 ampoule IM tous le 10 jours

    (Corticoid)

Célestène (gouttes)                            1 flacon

    4 gouttes matin et soir

Strombaject                                     

    1 ampoule IM par semaine

    (Anabolikum, Stanozonol)

 

F. Bellocq hierzu: "Ich habe Fahrern Cortison verschrieben. Die Schädlichkeit ist abhängig von den vorgeschlagenen Dosen. Die Corticoide helfen dem Fahrer sein biologisches Gleichgewicht wiederherzustellen. ... Ein Mediziner hat das Recht Medikamente seiner Wahl zu verschreiben." (de Mondenard, S. 316)

 

Dr. Bellocq, 1988: "In Wirklichkeit vermengt man in Frankreich Doping mit der Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts. Doping ist ein Exzess der Wiederherstellung. Es ist derselbe Unterschied, der zwischen der Liebe zu einem guten Wein und dem Alkoholismus besteht." (de Mondenard, Dict., S. 968) 

 

Es waren allerdings nicht nur Radsportler, die den Arzt aufsuchten. Bellocq erwähnt selbst Fußballer - Profis, Amateure, international - , die sich teils heimlich von ihm behandeln ließen. Über seine Untersuchungen konnte er feststellen, dass Doping Teil ihres Sportlerlebens war.



Dr. Daniel Blanc

Daniel Blanc, bekannter Schweizer Sportarzt, Arzt von Laurent Dufaux und Richard Virenque, trat ganz offen für mehr Einfluss der Sportmediziner auf die Medikation ein und forderte die Freigabe von Dopingmitteln unter ärztlicher Kontrolle. In Zusammenhang mit der Festina-Affaire kam er häufiger zu Wort und seine Einstellung wurde öffentlich diskutiert. So bestätigte er 1998 im Schweizer Fernsehen die Behandlung der Fahrer mit unerlaubten Präparaten unter medizinischen Gesichtspunkten: "Mit gezielter medizinischer Behandlung von Sportlern helfen die Sportärzte, die Tortur einer Tour de France überhaupt zu überstehen". (Rhein-Zeitung, 23.7.1998).

"Ich wäre Zyniker, würde ich mich in Lausanne hinstellen und EPO vertreiben. Das mache ich nicht. Was die angeblichen Risiken anbelangt ... Zum PFC, einverstanden, da verstehe ich nicht, wie jemand das versuchen kann. Aber der Rest? Ich denke nicht, dass Anabolika in kleinen Dosen schädlich sind."

"Wenn ein Fahrer mir sagt: "Mir fehlt die Kraft für die Zeitfahren und deshalb kann ich eine Rundfahrt nicht gewinnen", dann kann man ihm vielleicht eine kleine Dosis Anabolika zusammen mit einem spezifischen Training für 4 bis 6 Wochen verordnen, womit er seine Muskelmasse nach und nach erhöhen kann. Wahrscheinlich ist das völlig ungefährlich für ihn." (Journal du Dimanche, 16.8.1998)

 

Blanc wird auch wie folgt zitiert: „Wenn ich den Hämatokritwert eines Sportlers auf 60 anhebe, bin ich nicht nur ein Betrüger, sondern ein Mörder. Wenn ich ihn von 45 bis zur erlaubten Grenze von 50 anhebe, ist das meiner Meinung nach Hilfe für den Sportler, vorausgesetzt, das verschriebene Medikament ist nicht gefährlich.“(La Liberté, 22.12.1998) (Doping, Singler/Treutlein)

 

Das Schweizer Blatt „Le Matin“ berichtete, dass sich insgesamt 8 Fahrer auf höchstem Niveau, darunter Virenque und Dufaux, von Blanc einer experimentellen und nicht verbotenen Behandlung unterzögen, die Lungenentzündungen und Furunkel vermeiden helfe. Die Behandlung bestand aus mehreren Injektionen pro Monat, jede Spritze kostete 3500.-Mark, wobei die Kosten vom Arzneimittelhersteller Novartis übernommen würden (mainz-online.de, 15. 7. 1998, NRC Handelsblad, 17.7.1998).

 

Voet nannte ihn den „größten Doper in der Szene“.

 

Der Züricher Sportarzt Walter O. Frey über seinen Kollegen, der nach den Enthüllungen aus der Schweizer Ärztekammer ausgeschlossen wurde, auf die Frage

Welche Rolle spielen die Sportärzte, die diese Medikamente verschreiben?

 

Es gibt Hausärzte, die, im Glauben, einem Athleten helfen zu müssen, Dopingmittel abgeben. Daneben gibt es unter den Sportmedizinern schwarze Schafe, die durchaus bekannt sind. Der Ausschluss von Doktor Blanc aus der Gesellschaft für Sportmedizin war ein Zeichen, dass wir Sportärzte uns von solchen Praktiken distanzieren. ...“ (Hier das gesamte, sehr interessante Interview mit Frey Sportler werden zu Laborratten)

 



Dr. Georges Mouton

Georges Mouton, auch „Dr. Seringue“ (Doktor Spritze) genannt, wurde am 26. 9. 2001 in Lantin, Belgien inhaftiert. Ihm wird Handel mit unerlaubten Medikamenten zur unerlaubten Leistungsmanipulation und deren Abgabe an gesunde Profisportler vorgeworfen. Dabei soll es sich um EPO, das anabole Steroid DHEA, das Schilddrüsenhormon Elthyrone sowie Kortisonpräparate gehandelt haben. Dr. Mouton gilt als bekanntester belgischer Sportarzt und gehörte auch eine zeitlang der Société de Tour de France an. Im März 2000 enthüllte der 27 jährige dänische ex-Profi Brian Dalgaard in einer TV-Sendung, dass nicht weniger als 13 dänische Fahrer aus allen wichtigen dänischen Teams Patienten bei Mouton waren, was allerdings zu Leugnung dieser Verbindungen bei fast allen Betroffenen führte. (cyclingnews.com, 24.3.2000).

 

Dr. Mouton praktiziert in Brüssel, Lüttich und Madrid.

Viele bekannte Namen tauchen in den Untersuchungen auf. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelte ebenfalls ein Jahr lang unter deutschen Radprofis, da ein deutsches Konto entdeckt wurde, „über das Gelder für Medikamente an einen Mittelsmann von Mouton gezahlt worden waren.“ Mouton war zudem 1998 Vertrauensarzt, wie er es selbst bezeichnet, einiger Fahrer des deutschen Teams EC Bayer Worringen.

 

Die rund ein Dutzend vorgeladenen deutscher Radprofis, von denen auf dieses Konto von einigen teilweise mehr als 1.000 Mark eingezahlt worden waren, hatten unisono erklärt, dass es sich ausschließlich um Vitamine und Zusatzernährung gehandelt habe, die sie auf diese Art bezahlt hätten. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Die Medikamente sollen sie von Mouton selbst, einem Apotheker oder per Post erhalten haben.“ (interpooltv.de, 21.1.2002)

 

Die Ermittlungen führten nach Frankreich und Spanien, wobei ein spanischer Apotheker ausgesagt hat, EPO an die Praxis Mouton's geliefert zu haben. Dr. Mouton gibt aber lediglich zu, Anabolika in sehr geringen Dosen verabreicht zu haben.

 

Im Februar 2002 wurde er nach 5 Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Oktober 2004 berichtet die belgische Presse, dass Mouton mit 40 Dopingdossiers in Verbindung gebracht wird. So sollen auch die vielen bei Frank Vandenbroucke im Februar 2002 bei einer Hausdurchsuchung sichergestellten Mittel auf Mouton zurückgehen.

 

Am 3. März 2008 wird Dr. Mouton freigesprochen: >>> das Urteil vom 3. 3.2008. Die verschiedenen Anklagepunkte das Doping einer Reihe von namentlich genannter Athleten betreffend, wurden nicht behandelt. Die Anklage ginge auf eine Denunzierung eines Kollegen zurück, der damit gegen die ärztliche Schweigepflicht verstoßen habe, ein Vergehen, das nach damaligem Gesetz schwerer wiege als das Verabreichen und Beschaffen von Dopingmitteln. (Link)

 

Nach dem Fuentes Skandal zum Thema Tour de France und Doping befragt, spricht er sich offen für Doping aus: "Krank ist nicht das so genannte Doping. Krank sind die Anforderungen an die Fahrer. Ich helfe nur meinen Patienten, das auszuhalten, so, wie ich auch einem Manager helfen würde. Ich finde es unmoralisch, dass ich einen Sportler nicht genauso behandeln darf wie jeden anderen." (TAZ, 18.7.2006, Tagesspiegel 19.7.2006)

 

Philippe Gaumont schreibt in seinem Buch 'Prisonnier du Dopage' (S. 76) über Mouton, den er 1997 kennenlernte: "Ich merkte schnell, dass er vor nichts Angst hatte und zweifelte nicht daran, dass er eines Tages Probleme bekommen würde. Er verkaufte mir eine Zentrifuge, die damals zwischen 3000 und 4000 Franc kostete. Viele Radfahrer, vor allem Belgier gingen zu ihm. Jedes Mal wenn ich ihn in Lüttich aufgesucht hatte, verließ ich seine Praxis mit einem Karton voller Mittel, ausreichend für einen Monat. Er lieferte alles, selbst Kreatin und Proteine zur Regeneration." Gaumont wurde es unangenehm mit den medikamenten die Grenze überqueren zu müssen und kam zudem zu der Überzeugung, dass er seine Versorgung auch ohne Arzt hinbekommen könne, "um etwas EPO, Wachstumshormone oder Corticosteroide zu nehmen, braucht man keinen Arzt.".

 

2009 berichtet der französische 1500 Meter-Läufer Fouad Chouki in seiner Autibiografie, wie er 2002 zu Dr. Mouton und über ihn zum EPO-Doping kam. Sein Trainer Hassan El-Idrissi hatte ihm dessen Betreuung angeraten. Mouton entwickelt für den Athleten ein Blut-Diagnoseprogramm und verordnet ihm darauf aufbauend ein ausgeklügeltes Einnahmeprogramm von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten. Ziel sollte sein, das hormonelle Gleichgewicht zu sichern, den Stoffwechsel zu harmonisieren und Mangelerscheiningen auszugleichen. Im Laufe der Behandlungen kamen die Gespräche auch auf Doping, speziell mit EPO. Hiervon ließ sich Fouad Chouki überzeugen. Gegenüber anderen Mitteln blieb er skeptisch, da hatte er zuviel Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Dem Sportler wurde langsam klar gemacht, dass seine ihm überlegenen Konkurrenten ebenfalls dopten und er somit nichts Unrechtes täte. Mouton verabreichte oder übergab das EPO niemals selbst. Er gab nur genaue Anleitungen zur Anwendung.

2003 wird Chouki des EPO-Dopings überführt und das obwohl er nach eigenen Angaben bereits seit 10 Tagen kein EPO mehr genommen hatte. Nach Mouton hätte aufgrund des kurzen Nachweisfensters keine Gefahr bestanden. Später wurde ihm gesagt, das EPO wäre in seinem Körper wegen anderer Medikamente, die er wegen einer Muskelverletzung einnehmen musste, länger nachweisbar gewesen. Es hätte zwischen den Mitteln entsprechende Reaktionen gegeben. Diese Begründung ist allerdings umstritten. (Fouad Chouki, Ma Course en Enfer, 2009)

Dass noch weitere Läufer zu Moutons Kunden- bzw. Patientenkreis gehörten, wird in Gaumont Buch erwähnt. Er nennt Saïd Aouita, marokkanische Läuferlegende und der erste Mensch, der die 3000 Meter unter 7:30 Minuten lief, sowie Mohammed Mourhit, Europarekordinhaber über 3000 und 5000 Meter und 2002 mit einer Zweijahressperre wegen EPO-Missbrauchs belegt.



Dr. Patrick Nédelec

Dr. Patrick Nédelec war zwischen 1982 und 1994 als Arzt bei der Société de Tour de France und häufiger verantwortlich für die Anti-doping-Kontrollen bei Rennen. Als Mitglied des Direktionskomitees und Mitglied des Disziplinarausschusses des Französischen Radsportverbandes war er auch mit Sanktionen von überführten Fahrern befasst. 1995 wurde er Teamarzt bei Castorama und später bei GAN. 1996 beschuldigten ihn die beiden GAN-Profis Philippe Gaumont und Laurent Desbiens, beide des Nandrolon-Missbrauchs überführt, verantwortlich für die Verabreichung zu sein. Nédelec gibt dies zu, meinte aber, dies aus therapeutischen Gründen und auf Druck der Fahrer gemacht zu haben und nicht wissend, dass das Medikament Dynabolon zu den verbotenen Substanzen gehöre. Nédelec wurde von Gan suspendiert und für drei Jahre aus dem Radsportverband ausgeschlossen.

 



Dr. Eric Ryckaert

Eric Ryckaert, Teamarzt bei Festina, muss sich ab September 2000 in Gent wegen illegalen Handels mit Dopingprodukten verantworten. Mit dabei ein Apotheker und dessen Freundin, Angestellte einer Krankenversicherung. Der Apotheker hatte gestanden, zwischen Januar 1995 und Oktober 1997 regelmäßig EPO aus Holland in Ryckaerts Auftrag bezogen zu haben, die Angestellte, war als Kurier unterwegs. Das EPO war für Festina bestimmt. Der EPO-Handel war schon vor der Festnahme von Voet im Rahmen von Ermittlungen wegen Versicherungsbetruges aufgeflogen.

 

Ryckaert wurde im Oktober 2000 zu ca. 15 000 € Strafe, zur Hälfte auf Bewährung, verurteilt, er wurde schuldig befunden, jährlich auf diesem Wege 100 bis 120 Ampullen EPO plus Wachstumshormone beschafft zu haben. Die beiden anderen Beteiligten wurden zu je zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

 

Durch die beschlagnahmten Unterlagen war es der Belgischen Polizei bereits 1997 bekannt, dass bei Festina in großem Stile gedopt wurde.

 

Dr. Eric Rijckaert starb bevor sein Verfahren im Rahmen des Festina-Prozesses abgeschlossen war.

 



einige Artikel, die sich mit der Rolle der Sportärzte befassen



 

 

Beitrag von maki, 2003

letztes Update Januar 2010


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